Freitag, 11. August 2017

Buchrezension: Jan Moran - Die Zeit der Traubenblüte


Inhalt:

San Francisco 1956: Die junge Winzerin Caterina kreiert die besten Weine und träumt davon, ihr Talent für das Familienweingut im Napa Valley einzusetzen. Dafür muss sie aber ihrer resoluten Mutter Ava endlich die Wahrheit offenbaren: Denn Caterina hat eine kleine uneheliche Tochter und ist fest entschlossen, sie trotz der gesellschaftlichen Ablehnung allein großzuziehen. Doch nach ihrem Geständnis weist Ava sie von sich. In ihrer Not tritt Caterina das unerwartete Erbe ihrer italienischen Großmutter an, die ihr ein Weingut in der entfernten Toskana vermacht hat. Doch mit dem Erbe ist ein dunkles Geheimnis verbunden, das alles, was Caterina liebt, bedroht – aber vielleicht auch der Schlüssel zum großen Glück ist.

Rezension:

Caterina Rosetta bekommt im Jahr 1956 in San Francisco ein Baby. Die ungewollte Schwangerschaft hat sie sowohl gegenüber dem Vater des Kindes als auch gegenüber ihrer Mutter Ava verschwiegen. Nach der Geburt bringt Caterina es allerdings nicht über das Herz, das Mädchen wie geplant zur Adoption freizugeben.

Sie fährt sodann nach Napa zum Weingut "Mille Étoiles" ihrer Mutter, um ihr von ihrer Enkelin zu erzählen. Diese empfindet das uneheliche Kind wie erwartet als Schande für die Familie und verweist Caterina aus ihrem Zuhause. Vor Ort trifft Caterina auf Santo Casini, ihren Schwarm aus Jugendtagen und Vater des Kindes, der aber inzwischen verlobt ist, weshalb sie ihm gegenüber weiter verschweigt, dass er Vater geworden ist. Zwischen Santo und Caterina knistert es und sie kommen sich sogar während eines Erdbebens wieder näher, aber sie macht sich keine Hoffnungen auf eine Beziehung mit ihm.
Fast zeitgleich erfährt Caterina, dass sie von ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter Violetta Maria Romagnoli Rosetta ein Haus in der Toskana geerbt hat. Caterina ist erschüttert. Sie ist bis zuletzt davon ausgegangen, dass ihre Großmutter wie ihr Vater schon seit Jahren tot ist und dass sie keine Verwandten mehr in Italien hat.

Nach und nach kommen immer mehr Lügen und Halbwahrheiten ihrer sonst so integeren Mutter ans Licht - Familiengeheimnisse, die Caterina endlich lüften möchte. Zusammen mit ihrer Tochter Marisa bricht sie nach Italien auf, um dort das nicht ganz einfache Erbe anzutreten und Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen.

"Die Zeit der Traubenblüte" ist eine Familiengeschichte, die sich von 1929 bis zum Ende der 50er-Jahre erstreckt, wobei man nur in einzelnen Rückblenden die Vergangenheit ergründet, und die in Italien bzw. in Kalifornien spielt.
Ein Fokus des Romans liegt auf der detaillierten Schilderung der Bewirtschaftung eines Weinguts, des Lebens als Winzerin bzw. Sommelière und den Geschmäcken der Weine. Daneben gilt es, vertuschte Skandale zu offenbaren und lang gehütete Familiengeheimnisse zu lüften, die aufgrund der antiquierten Moralvorstellungen der damaligen Zeit im Verborgenen bleiben sollten. Da die Familiengeschichte aber prägend für das weitere Leben von Caterina ist, muss sie sich den unbequemen Wahrheiten stellen, um zu ihrem Glück zu finden, auch wenn sie dabei einen Bruch mit ihrer Mutter riskiert.

Mir war der Roman über die unerfüllte Liebe bzw. die Emanzipation von Caterina einen Hauch zu melodramatisch dargestellt. Sowohl Mutter als auch Tochter haben mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen und es scheint sogar, als würde sich die Geschichte wiederholen, als beide alleinerziehend und ohne Partner, die Verantwortung für eine Weingut übernehmen. Zudem finden sich auch beide nur zu gern in ihrer Märtyrerrolle wieder, indem sie Dinge verschweigen, um andere zu schützen und damit aber selbst die ganze Last tragen müssen, für die sie nicht allein verantwortlich sind.

Die Geschichte hätte man deutlich kürzer fassen können, wenn die Autorin nicht in epischer Breite jeden Tag aufs Neue beschrieben hätte, für welche Kleidungsstücke sich Caterina morgens für sich und Marisa entscheidet oder wie friedlich Marisa mit dem Windelhintern in die Höhe in ihrem Bettchen schläft bzw. freundlich vor sich hinquäkt. Das "dunkle Geheimnis" um das Erbe deutet sich auch schon früh an, so dass der Roman etwas langatmig zu lesen ist. Das Ende ist dann an Dramatik kaum mehr zu überbieten und übertrieben Schwarz-Weiß-Malerisch als Duell Gut gegen Böse dargestellt.

Wer allerdings Familiengeschichten mag, die sich über mehrere Generationen erstrecken und in denen starke Frauen die Hauptrolle spielen und dann noch ein Interesse für guten Wein hat, wird sich - bis zum letzten Schluck - mit dem schicksalhaften Roman um Vergangenheitsbewältigung, Liebe und Vergebung gut unterhalten fühlen.


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